Die Reifen-Prüfung

Grip ist was zählt...

...und das nicht erst Ende Januar!

Es gibt Dinge, auf die man sich verlassen kann. Wie zum Beispiel darauf, dass morgen früh aller Wahrscheinlichkeit nach die Sonne wieder aufgeht oder auch darauf, dass im Oktober so langsam die Winterzeit eingeläutet wird.
Einige Autofahrer erkennen die Zeichen der Zeit und beschließen für sich: “So langsam müssen die Winterpellen drauf." Damit liegen sie genau richtig und lassen ihre Reifen beim örtlichen Reifenhändler aufziehen oder schrauben ihre 15-Zoll-Stahlfelgen in aller Ruhe in der heimischen Einfahrt an das geliebte Gefährt. So auch ich. Alles läuft gut, mein Winterauto fährt mich überall hin, mit genug Grip.

Mitte Dezember dann der G-A-U: Ein Reifen verliert Luft. Seitlich aufgerissen ist er wohl nicht mehr zu flicken und so beschließe ich, mir einen neuen Reifen zu besorgen. Die ersten Telefonate ergeben Folgendes: “Keine Chance, Winterreifen in 195/50 R15 sind nicht mehr zu bekommen und schon gar nicht Ihre“. Wäre ja lächerlich, wenn ich mich davon entmutigen lassen würde. Ich telefoniere die ganze Umgebung ab, um einen Silberstreif am mittlerweile blass weißen Horizont des Ruhrgebietes zu sehen. Schließlich ein "Lichtblick" am anderen Ende des Telefonhörers: “Ja, Herr Gauert, Ihre Reifen können wir Ihnen besorgen. Ein Reifen würde dann 95,70 € zuzüglich Mehrwertsteuer kosten – ohne Montage“. Entrüstet frage ich die Dame, ob sie sich verrechnet hat, da meine Winterreifen im 4er-Pack ursprünglich für 260,00€ incl. Montage zu haben waren. Von der leicht erkennbaren Preisdifferenz lässt sie sich nicht einschüchtern: “Herr Gauert, wenn Sie jetzt damit kommen, brauchen Sie sich nicht wundern. Es gibt sonst keinen mehr, der Winterreifen hat!"
Großartig. Im Winter bezahle ich offenbar nicht nur Reifen, sondern auch temporäre Alleinstellungsmerkmale von Unternehmen. Der Hörer schnellt in einem halben Atemzug zurück auf das Telefon: “Klack, tut…tut…tuuut".

“Das haben die jetzt davon," denke ich siegessicher. Kurz danach macht sich Ernüchterung breit, da das meine offenbar einzige Chance war, einen Reifen zu bekommen. In meiner Verzweiflung gehe ich noch einmal Google durch und treffe dann auf einen Händler, der fast vor meiner Haustür ist. Ich fahre dorthin und finde einen Hinterhof vor, an dem ich normalerweise ein Rudel Hunde aber sicherlich keine Michelin-Pneus erwarten würde. Umsäumt von Übersee-Frachtboxen steuere ich zielsicher auf die einem Modellflugzeughangar ähnelnde Werkstatt zu, in der mir ein dick eingepackter türkisch-stämmiger Landsmann freundlich entgegenkommt und mir versichert, er habe ein paar Reifen für mich da, ich müsse aber zwei nehmen, weil er die gleiche Marke nicht besorgen kann. “Na gut, schau’n wir ma´ wat zu kriegen is´“, sage ich in misstrauischen Worten und folge ihm in einen der Frachtcontainer, in dem eine Reihe gebrauchter Reifen gelagert ist. Er zieht zwei fünf Jahre alte Goodyears mit gutem Profil aus der Ecke und eröffnet mir einen Preis von 70 Euro incl. Montage. “Ist gebongt. Lieber alte Goodyears als gar keine Reifen“, stöhne ich vor mich hin.

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