Black Jack


Gute Karten – 2012er R8 V10 Spyder


Wer von Berufs wegen Autos verkauft, weiß wie schwer es ist, eingefleischte Kunden anderer Fabrikate von seinen Produkten zu überzeugen. Der Klassiker hier: passionierte BMW- oder Mercedes-Kunden für Audi zu erwärmen. Noch anspruchsvoller als das Duell München bzw. Untertürkheim vs. Ingolstadt – sozusagen die Königsdisziplin - dürfte gleichwohl die Gewinnung eines Porsche-911-Fahrers sein. Einen solchen von etwas anderem als der Zuffenhausener Ingenieurskunst zu überzeugen, ist nahezu unmöglich – aber machbar, sofern man die richtigen Argumente hat. „Audi hat sie“, berichtet Ex-Elfer Pilot Mario Damm. Offenbar ist es also nie zu spät, ins richtige Lager zu wechseln…
Der klassische Porsche-911-Pilot ist gemeinhin als 100 Prozent markentreu bekannt. Etwas anderes als der „gute alte“ Elfer kommt ihm nicht in die Garage. Da wird schon mal selbst über gute Porsche-Produkte wie Cayman oder Boxster die Nase gerümpft. Ein Wechsel zu anderen Modellen, etwa zu einem Audi R8, würde er gar als Hoheitslästerung sehen. Oder doch nicht? Schließlich bauen sie nicht nur in Zuffenhausen pistentaugliche Traumautos, wie Audi seit 2006 mit dem R8 eindrucksvoll unter Beweis stellt. „So sieht’s aus“, bestätigt Mario Damm, und klärt auf: „Als ehemaliger 911-Fahrer kann ich das ohne Wenn und Aber unterschreiben!“ Moment, wie war das? 911-Fahrer? „Korrekt“, unterstreicht Mario: „Und der Clou dabei ist: Ich bin nicht etwa durch einen R8 auf den Geschmack gekommen. Angefixt hat mich eine Probefahrt im Audi RS6 Avant. Das quattro-Feeling sowie reichlich Hubraum und Technik vom Feinsten, haben mich neugierig gemacht. Wenn ein Kombi von Audi schon eine derartige Gaudi bereitet, wie sieht das dann erst mit dem R8 aus?“
Der darauf folgende Praxis-Test bestätigte, was Mario schon bei seiner ersten Testrunde im RS6 vermutete: Auch beim R8 passt alles perfekt zusammen. „Nach der Fahrt im R war der Wechsel beschlossenen Sache“, erinnert sich Mario. „Es gab nur eine Prämisse: Als begeisterter Cabrio-Fahrer musste mein R8 offen, sprich ein Spyder sein!“ Und der ließ nicht lange auf sich warten. „Mein Favorit, ein R8 Spyder mit 5,2-Liter-Zehnzylinder und 525 PS ist sogar sofort lieferbar gewesen. Außerdem haben die Jungs bei Audi noch einen dicken Rabatt rausgerückt. Also habe ich nicht lange überlegt und den Tausch Audi gegen Porsche klargemacht.“
Der neue Open-Air-Supersportler ließ nicht lange auf sich warten. Bereits wenige Wochen nach der platzierten Bestellung beim Audi-Partner konnte Mario ins Werk Neckarsulm reisen, um seinen neuen R8 abzuholen. Die Konfiguration des Neuen ließ keine Wünsche offen. Ob Audi-Ceramic-Bremsanlage, feines schwarzes Leder, Carbon-Highlights, ein Bang & Olufsen-Soundsystem und weitere High-End-Extras – alles war an Bord. „Nicht zu vergessen: das R-Tronic-Getriebe“, komplettiert Mario die Liste und schwärmt: „Der Neue hat keine Wünsche offen gelassen!“
Zumindest keine, die Audi als Hersteller erfüllen konnte. Ein Blick in den Datenkasten von Marios R8 belegt indes, dass sich diverse feine Extras seit der Abholung in Neckarsulm hinzugemogelt haben. Da wäre beispielsweise das Carbon-Lenkrad von Neidfaktor Hamburg und ein knackiges KW-Gewindefahrwerk. Oder eine von Capristo revidierte Klappenauspuffanlage. Nicht zu vergessen: die „kleine“ Leistungssteigerung des Boliden von 525 auf atemberaubende 612 PS. By the way: Seit kurzem strahlt der R8 zudem mit neu verbauten Facelift-Leuchten an Front- und Heckpartie.
Das vermutlich beste Extra des R8 Spyder taucht gleichwohl in keiner Ausstattungsliste auf. Es hört auf den Namen Fahrspaß und lässt sich vor allem durch weit nach oben gezogene Mundwinkel identifizieren. „Der Audi macht einen Mords-Spaß“, bestätigt Mario. „Eines der schönsten Beispiele war eine Cabrio-Tour mit meinen Jungs nach Spanien und Süd-Frankreich. Bei Temperaturen von mehr als 35 Grad offen fahren und diesen Sound hören ist im wahrsten Sinne des Wortes himmlisch“, erzählt er. Allerdings gibt es immer wieder auch mal lustige und skurrile Erlebnisse mit dem R8. „Ich erinnere mich da an eine Fahrt in Richtung Frankfurt. Bei Tempo 300 tauchte nach einer lang gezogenen Kurve plötzlich ein deutlich langsamerer Wagen vor mir auf. Um ihm nicht aufzufahren, musste ich auf der rechten Spur dran vorbei. Die Jungs im Auto fanden das offenbar nicht so witzig – es waren zwei Polizisten. Die sind dann auch prompt mit Blaulicht hinter mir her. Sie hatten allerdings ein bisschen Probleme, an mir dranzubleiben. Letztlich bin ich aber doch langsamer gefahren und wenig später an einem Rastplatz raus, um mich den Gesetzeshütern zu stellen. Was überhaupt nicht schlimm gewesen ist, da sie total begeistert vom Audi waren und sie sich das Auto eigentlich nur mal ansehen wollten!“ Ob das mit einem aktuellen Porsche auch der Fall gewesen wäre…?

AUDI SCENE FACTS
(Halter*- bzw. Herstellerangaben)
Typ: R8 Spyder V10
Baujahr: 2012
Motor: V10-Zylinder mit Benzindirekteinspritzung, Hubraum 5.204 ccm, 4 Ventile pro Zylinder, 2 obenliegende Nockenwellen je Zylinderbank, Leistungssteigerung
Leistung: 612 PS
Kraftübertragung: permanenter Allradantrieb quattro, 6-Gang-R-Tronic
Auspuff: Capristo
Vorderachse: Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern und Feder-Dämpfer-Einheiten, KW-Gewindefahrwerk
Hinterachse: Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern und Feder-Dämpfer-Einheiten, KW-Gewindefahrwerk
Bremsen: hydraulisch betätigt, Zweikreis-System, 8-Kolben-Festsättel vorne, 4-Kolben-Festsättel hinten, innenbelüftete und gelochte Bremsscheiben vorne und hinten (Audi Ceramics, schwimmend gelagert)
Felgen: R8 GT (Fuchs) in 9 und 10,5 x 20 Zoll
Reifen: Pirelli P Zero Rosso in 245/30 und 305/30-R19
Karosserie: selbsttragend, ASF-Bauweise (Aluminium, Magnesium), Spyder-Bauweise, 2 Türen, Lackierung in Phantomschwarz-Perleffekt
Interieur: originale Innenausstattung mit schwarzem Vollleder
HiFi: Bang & Olufsen-Soundsystem
Danksagungen: R8 Meeting West, Franco Schoones (Vossen Wheels), Antonio Capristo, Klaus Höller (KH Tuning), Mattäus (Simai Wrap), und alle, die ich vergessen haben sollte…

Von: Text: Marc Timmer, Fotos: Heinz-Peter Keller

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