Audi: Schnell und biestig

Fotos: Audi

Unser Testwagen ist der stärkste Kombi im Audi-Programm: ein feuerroter RS6 Avant. Er konnte dank konsequentem Leichtbau rund 100 Kilogramm Masse ablegen (Gesamtgewicht 1935 kg). Ausschlaggebend hierfür ist der Einsatz von Hightech-Stählen und Aluminium. Dem Erscheinungsbild des RS hat die Abmagerungskur keinesfalls geschadet. Seine bulligen Stoßfänger und die Verbreiterungen an Schwellern und Radläufen machen aus dem ohnehin satt und dynamisch auf der Straße liegenden A6 einen Athleten im Maßanzug.

Optionale RS-Sportabgasanlage für markanteren Sound

Der Diffusor in der Heckschürze beherbergt die Endrohre der RS-Abgasanlage. Sie enttarnt das sportliche Topmodell der A6-Baureihe. Auf Wunsch gibt es überdies eine RS-Sportabgasanlage mit schwarzen Endrohrblenden und markanterem Sound. Ein Extra für Liebhaber puristischen V8-Klanges; einfach genial! Lediglich ein Aspekt stört an der Abgasführung des neuen RS: Warum spendiert Audi seinen Top-Modellen nur noch Auspuffblenden? Die sind zwar günstiger, sehen aber nicht ansatzweise so gut aus wie die ovalen Endrohre seines Vorgängers. By the way: Mit dieser Meinung stehen wir nicht allein…

Glücklicherweise blieb der Innenraum des RS6 von Sparzwängen verschont. Wie beim S3 dominiert auch hier sportliches Schwarz. Die Skalen der Instrumente sind gleichwohl weiß, die Zeiger rot. Das RS-Dreispeichen-Sportlederlenkrad ist unten abgeflacht und trägt einen dickeren, stärker konturierten Kranz. Für’s Auge bietet der RS6 Zierteile in Aluminium- und Klavierlackoptik, beleuchtete Einstiegsleisten mit RS6-Schriftzug und Carbon-Dekoreinlagen.

Ausgeprägte Einzelsitze für die Passagiere im Fond

Beim Gestühl setzt Audi auf wohlgeformte RS-Sportsitze. Sie verfügen über ausgeprägte Seitenwangen und integrierte Kopfstützen. Die Bezüge sind in einer schwarzen Alcantara/Leder-Kombination gehalten. Die Mittelbahnen werden von einer Wabensteppung im Stil des Kühlergrills verziert. Im Fond des RS6 können zwei Passagiere auf ausgeprägten Einzelsitzen mit integrierten Kopfstützen Platz nehmen. Auf Wunsch ist auch eine dreisitzige Rückbank erhältlich.

Wer nicht unbedingt auf drei Sitzgelegenheiten im Fond angewiesen ist, sollte die sportliche Einzelsitzanlage optieren. Grund: Geht der RS6 auf die Piste, ist guter Seitenhalt Gold wert. Sein näher zur Vorderachse gerückter Biturbo-V8 mit Direkteinspritzung mobilisiert satte 560 PS und 700 Nm Drehmoment zwischen 1.750 und 5.500 U/min. Der Hubraum wird von Audi auf 3993 ccm beziffert. Zwei Twinscroll-Turbolader liegen im Inneren des 90°-V. Ziel dieser Bauart soll ein früherer und kraftvollerer Aufbau des Drehmoments sein.

Die Leistungsdaten des RS6 sprechen für sich

Trotz geringerer PS-Zahl als sein Vorgänger (10 Zylinder, 580 PS), beschleunigt der Avant in wahnsinnigen 3,9 Sekunden auf Tempo 100 - das ist Sportwagenniveau! Die Endgeschwindigkeit des Avant liegt bei serienmäßigen 250 km/h. Auf Wunsch hebt Audi die Begrenzung von 250 auf 280 beziehungsweise 305 km/h an. Für die Freischaltung der letzten Spaß-Stufe verlangt Audi über 10.000 Euro. Eine stolze Summe, die sich durch darin enthaltene Keramik-Bremsanlage nivelliert, nicht nur aus Kosten- sondern vor allem aus Sicherheitsgründen.

Erstaunlich günstiger Gegensatz: Trotz der Fahrleistungen begnügt sich der RS6 mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 9,8 Litern Super auf 100 km - eine moderate Fahrweise vorausgesetzt. Im Praxistest funktionierte die Zylinderabschaltung "cylinder on demand" einwandfrei. Die erzielten Verbräuche stimmten – zumindest laut FIS – mit den Werksangaben überein. Aber seien wir ehrlich: Wenn sich die Chance bietet, mit einem Boliden wie dem RS6 zwei Stunden über unbeschränkte Autobahnen und kurvige Landstraßen zu fliegen, gibt es Wichtigeres, als den Minimalverbrauch auszuloten.

Der Weg bis Tempo 300 erscheint als reine Formsache

De Facto haben wir das FIS außer Acht gelassen, um Straße, Tacho und Drehzahlmesser volle Aufmerksamkeit zu widmen. Der Spurt von 0 auf 100 vergeht wie im Flug. Nach rund 15 Sekunden fällt auch die 200-km/h-Marke. Der Weg bis Tempo 300 erscheint als reine Formsache. Wahnsinn, der neue RS6 ist der Schöne und das Biest in einer Person… Damit der brachiale Kombi bei den enormen Geschwindigkeiten nicht die Bodenhaftung verliert, wird seine Kraft über eine sportlich abgestimmte 8-Stufen-tiptronic mit lang übersetztem achtem Gang auf den permanenten Allradantrieb quattro übertragen.

Auf Wunsch kann auch ein Sportdifferenzial geordert werden, das die Kräfte aktiv zwischen den Hinterrädern verteilt. Zudem umfasst die Serienausstattung eine adaptive air suspension. Die straff abgestimmte Luftfederung mit geregelter Dämpfung legt die Karosserie um 20 Millimeter tiefer. Ihr Management ist ebenso in das Fahrdynamiksystem Audi drive select eingebunden wie das Sportdifferenzial und die Dynamiklenkung. Hartgesottene können überdies das straffe RS-Sportfahrwerk plus mit Dynamic Ride Control (DRC) bestellen.

Für die 305-km/h-Option spendiert Audi Bremsscheiben aus Kohlefaser-Keramik

In den Radhäusern des RS6 Avant rollen serienmäßig 20-Zoll-Schmiederäder mit Reifen der Größe 275/35R20. Alternativ bietet Audi 21-Zöller mit 285/30R21. In beiden Fällen verbergen sich hinter den Alus 6-Kolben-Bremssättel und gelochte und innenbelüftete 390-mm-Scheiben im Wave-Design an der Vorderachse sowie gelochte und innenbelüftete Scheiben an der Hinterachse.

Ein RS6 ist leider kein Schnäppchen - dafür kann er mit Fug und Recht als Traumwagen mit Nutzwert für Familie und Freizeit bezeichnet werden. Zum Glück gibt es ja auch noch den neuen S3, der auf seine Weise nicht minder begeistert und seit Herbst 2013 für etwas mehr als ein Drittel des RS6-Grundpreises zu haben sein wird. Eingefleischten Audi-Fans, die nicht aufs Geld achten müssen, dürften sich dann die Frage stellen: den schnellen, das Biest oder direkt beide…?

Von: Marc Timmer

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