700 Punkte und zwei Titel



Audi in der Deutschen Tourenwagen Masters 2016

Zwei der drei DTM-Titel sicherten sich die Ingolstädter und mit genau 700 Punkten setzte sich Audi deutlich vor den beiden Kontrahenten BMW und Mercedes in der Marken-Wertung durch. Mit Edoardo Mortara und Jamie Green hatten gleich zwei Audi-Piloten noch die Chance auf den Titelgewinn beim Saisonfinale.

Der BMW-Pilot Marco Wittmann sowie die beiden Audi-Fahrer Edoardo Mortara und Jamie Green waren die verbleibenden drei Piloten, die sich in Hockenheim zum DTM-Champion 2016 krönen konnten. Lediglich 14 Punkte lagen zwischen dem Gesamtführenden Wittmann und Verfolger Mortara. Ein heißes Duell, in das Green (39 Punkte Rückstand auf Wittmann) bei noch 50 zu gewinnenden Punkten nur dann eingreifen konnte, wenn die beiden Favoriten strauchelten. Der Audi RS5 DTM schien in der jüngeren DTM-Vergangenheit auf dem Hockenheimring bestens zu funktionieren. Sechs der letzten acht Rennen endeten mit einem Sieg für das Ingolstädter Fabrikat. So gewann Mortara bereits den Auftakt 2016, während Green im Vorjahr zwei Rennen in Hockenheim gewinnen konnte.

Entsprechend zuversichtlich gab sich Edoardo Mortara: „Ich freue mich auf das große Finale und komme voller Selbstvertrauen nach Hockenheim. Ich hoffe, dass ich Marco im Endspurt noch überholen kann. Wir werden nicht aufgeben und bis zum Schluss kämpfen.“ Bei dem ersten Rennen am Samstag stand der Sieg des Audi-Piloten Miguel Molina allerdings etwas im Schatten des packenden Duells zwischen Marco Wittmann und Edoardo Mortara, die beide noch um den Titel des DTM-Champions 2016 kämpften. Wittmann wurde am Samstag Zweiter und baute damit seine Führung in der Fahrerwertung weiter aus. Der Italo-Schweizer Mortara sah als Dritter die Zielflagge und hielt damit die Entscheidung bis zum letzten Saisonrennen am Sonntag weiter offen.

Bis zur Halbzeit des 40-minütigen Samstags-Rennens sah alles nach einer vorzeitigen Entscheidung zugunsten Wittmanns aus. Der BMW-Pilot rangierte auf einem sicheren zweiten Platz und Mortara war zu diesem Zeitpunkt lediglich Achter. Der Audi-Pilot aber fuhr ein überlegtes und strategisches Rennen, nutzte sein DRS optimal und arbeitete sich Position für Position nach vorne. „Die Taktik für das Rennen habe ich mir im Auto zurechtgelegt“, sagte Mortara im Ziel. „Ich habe mein DRS sehr überlegt eingesetzt und habe meine Chancen gegen Rennende gesehen. Wir waren heute schon sehr schnell, ich hoffe aber, morgen noch konkurrenzfähiger zu sein und den Titel zu holen.“ Während Mortara ein sehr aufregendes Rennen erlebte, war das von Wittmann eher ruhig. „Unser Ziel war, vor Edoardo zu bleiben und das ist uns gelungen. Die drei Punkte die ich heute mehr bekommen habe als Edo, können am Ende wichtig sein. Aber er hatte eine gute Pace und wir haben bis morgen noch viel Arbeit vor uns“, so der Tabellenführer Wittmann.

Am Sonntag präsentierte sich der Hockenheimring von seiner besten Seite. Die knapp 142.000 Zuschauer sahen packende Tür-an-Tür-Duelle mit vielen Positionswechseln. Um die Titelentscheidung noch zu seinen Gunsten zu entscheiden, tat der junge Mortara alles daran, sich selber zu pushen. Nach einem verkorksten Start kämpfte er sich gegen zahlreiche BMW-Piloten Position für Position nach vorne und übernahm in Runde sechs die Führung vor Wittmann. Nach 39 Runden überquerte Mortara mit 3,040 Sekunden Vorsprung vor Mercedes-Pilot Christian Vietoris die Ziellinie. Am Ende fehlten dem Italo-Schweizer trotz seines insgesamt achten DTM-Siegs aber vier Punkte auf den neuen Champion Marco Wittmann. Für den BMW-Piloten ist es nach 2014 bereits der zweite Titel in der DTM. Mit fünf Siegen in der vergangenen Saison hatte Edoardo Mortara sogar zwei Siege mehr als der nun amtierende DTM-Champion.

Doch leider war es sein hitziges Gemüt, das dem 29-Jährigen öfter einmal im Wege stand. Im österreichischen Spielberg rempelte er sich nach einem Feindkontakt mit Antonio Felix selber aus dem Rennen und vergab so wichtige Meisterschaftspunkte, die ihm nun hätten nützen können. Ein fehlerhaftes GPS-System des DMSB führte in Zandvoort zu einer unnötigen Durchfahrtsstrafe und kostete ihn mindestens acht Zähler. Plötzlich war Montara nicht mehr die Nummer eins im Audi-Team. Der sympathische Italo-Schweizer musste Markenkollege Jamie Green zweimal den Vortritt lassen. Auch dieses kostete ihm in der Endabrechnung den Championatstitel. Doch all das hat er abgehakt, denn für die 2017er DTM-Saison stehen einige Veränderungen auf dem Programm.

Die einschneidenste Veränderung ist die Verkleinerung des Starterfeldes von 24 auf 18 Rennfahrzeugen. Erstes personelles Opfer ist der langjährige Audi-Pilot Timo Scheider, der seinen Rausschmiss per Telefon erhielt. Es war ein extremer Tiefschlag für Scheider, denn er war fest davon ausgegangen, dass er eine Zukunft bei Audi hätte und das nicht nur als Rennfahrer. Er lehnte nach seinen DTM-Meistertiteln mit Audi im Jahr 2008 sowie 2009 diverse Angebote verschiedener anderer Hersteller ab, weil er den Ingolstädtern die Treue halten wollte. Doch am Ende nützte es ihm nichts. Der schon lange feststehende Wechsel von Audi-Werksfahrer Edoardo Mortara zum Rivalen Mercedes ist endlich bestätigt worden. Zukünftig startet der 29-Jährige für das HWE-Team von DTM-Chef Hans Werner Aufrecht, der sich natürlich sehr über seinen prominenten Neuzugang freut.

Im Gegensatz zu den Teams von BMW und Mercedes, die sich jeweils verkleinern, ändert sich bei den Ingolstädtern hingegen nichts. Die Audi Sport Teams Abt, Phoenix und Rosberg werden in der neuen Saison jeweils zwei brandneue Audi RS5 DTM einsetzen. Nach drei Jahren mit einem nahezu unveränderten Auto, steht in diesem Winter wieder viel Entwicklungsarbeit mit dem Nachfolger des Audi RS5 DTM auf dem Programm. Anfang November fanden bereits die ersten Tests statt und so saß Mike Rockenfeller in Oschersleben am Steuer eines Audi-Testträgers für die neue DTM-Saison. Seine ersten Erkenntnisse kommentierte er so: „Es war sehr spannend für mich, zum ersten Mal die verschiedenen Reifenmischungen zu fahren, die für die Saison 2017 zur Auswahl stehen. Auch das Auto war nicht mehr das, das wir beim Saisonfinale gefahren sind, sondern ein Zwitter. Es war noch nicht das finale Auto für die Saison 2017, hatte aber schon einige Sachen vom nächsten Jahr. Es war spannend zu sehen, wie sich die Reifen und das Auto verhalten. Oschersleben ist auch eine gute Strecke, das Material hart ranzunehmen. Das ist in diesem Stadium sehr wichtig, weil es darum geht, die neuen Teile auf Haltbarkeit zu testen und freizufahren. Aus meiner Sicht war es ein sehr guter Test.“

Ob sich die DTM in die richtige Richtung entwickelt, wird man in der kommenden Saison sehen. Die Reifen werden den Hauptunterschied ausmachen. Auch ohne Heizdecken zu fahren, ist in der DTM eine neue Herausforderung, die einige Audi-Piloten schon aus anderen Rennserien kennen und die einen großen Unterschied im Fahrerfeld ausmachen werden. Hier rückt nun wieder das fahrerische Feingefühl jedes einzelnen Piloten in den Vordergrund. Bereits Ende November fanden die nächsten Testfahrten für die DTM-Saison 2017 statt. Von Montag bis Donnerstag waren Mattias Ekström und Jamie Green mit einem Testträger des Audi RS5 DTM auf der portugiesischen Rennstrecke von Portimão im Einsatz. Nur zwei Wochen später fand in Jerez (Spanien) der jährliche Young Driver Test der DTM statt, bei dem Nachwuchspiloten die Gelegenheit erhielten, den Audi RS5 DTM zu testen. Nicht mehr ganz vier Monate bis zum Saisonauftakt in Hockenheim haben die Ingolstädter Ingenieure Zeit, einen siegfähigen Rennboliden auf die vier Slicks zu stellen. Wir drücken ihnen fest die Daumen, dass in 2017 der DTM-Champion aus dem Hause Audi kommt.    

Endstand 2016:
DTM Fahrerwertung 2016

1. Marco Wittmann (BMW)                    206 Pkt.
2. Edoardo Mortara (Castrol EDGE Audi RS 5 DTM)        202 Pkt.
3. Jamie Green (Hoffmann Group Audi RS 5 DTM)        145 Pkt.
4. Robert Wickens (Mercedes)                    124 Pkt.
5. Paul di Resta (Mercedes)                    116 Pkt.
6. Tom Blomqvist (BMW)                     113 Pkt.
7. Mattias Ekström (Red Bull Audi RS 5 DTM)        107 Pkt.
8. Maxime Martin (BMW)                     90 Pkt.
9. Nico Müller (Playboy Audi RS 5 DTM)            88 Pkt.
10. Timo Glock (BMW)                        84 Pkt.


DTM Herstellerwertung 2016

1. Audi            700 Pkt.
2. BMW        647 Pkt.
3. Mercedes-Benz    471 Pkt.



Bildunterschriften

01: Mit fünf DTM-Laufsiegen war Edoardo Mortara bis zum Saisonfinale ein ernsthafter Titel-Anwärter.

02: Im November gab Montara den Wechsel zum Mitstreiter Mercedes Benz bekannt.

03: Sechsmal durfte der gebürtige Engländer Jamie Green 2016 auf dem Podium feiern und stand dabei einmal auf der obersten Stufe.

04: Jamie Green hatte im Saisonfinale noch theoretische Chancen auf den DTM-Titel.

05: Mattias Ekström gab wieder einmal alles.

06: Das Aufwärmtraining mit den Heizmatten scheint eine neue Methode zu sein…

07: Bestes Saisonergebnis in 2016 war für Nico Müller Ende Juni der 2. Laufsieg am Norisring.

08: Gesamtrang 9 für Nico Müller

09: Miguel Molina fuhr trotz zweier Laufsiege am Lausitzring und dem Saisonabschluss in Hockenheim nur auf Gesamtrang 13.

10: Bei sieben Podiumsplätzen stand der Spanier Molina ganze drei Mal auf dem obersten Treppchen.

11: Nur knapp vier Sekunden dauert ein Reifenwechsel bei den professionellen Audi-Teams.

12: Adrien Tambay startete 2016 für das Audi Sport Team Rosberg.

13: 2016 war für Mike Rockenfeller, DTM-Champion von 2013, eine Saison zum Vergessen.

14: Mike Rockenfeller hofft auf bessere Ergebnisse.

15: Mit Audi wurde Timo Scheider 2008 und 2009 DTM-Champion.

16: Nach 16 Jahren in der DTM zieht Timo Scheider einen Schlussstrich.

17: Der Kampf um Positionen und Sekundenbruchteile ist hart in der DTM.

18: Mit dem breiten Luftführungssystem besitzt der Audi RS 5 DTM eines der markantesten Hecks in der DTM.

19: Spezielle Luftführung bei den Karbon-Bremsscheiben an der Vorderachse

20: Alle DTM-Boliden wie auch der Audi RS 5 DTM fahren auf den Einheitsreifen der Marke Hankook.

21:  Hübsche Grid-Girls und Motorsport bilden auch heute noch eine unzertrennliche Einheit.

Von: Text und Fotos: Michael Heckel

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