Omas Achtziger…

Omas Achtziger…
Glück muss man haben – 1976er Audi 80 B1 aus Rentner-Hand
Welcher Audi-Enthusiast träumt nicht davon: Du suchst einen klassischen Ingolstädter und findest ein unverbrauchtes und rundum originales Exemplar aus erster Rentner-Hand mit vollständiger Historie. Ein Ammenmärchen? Weit gefehlt! Der Audi-Liebhaber Stephan Schreilechner aus dem Salzburger Land hat vor rund zwei Jahren einen derartigen Volltreffer gelandet. Auf seiner Suche nach einem Audi 100 der ersten Generation stieß er auf einen 1976er Audi 80 B1 mit 1977er-Erstzulassung und „1A-Omi-Vergangenheit“.
Die wenigsten können von sich behaupten, in ihrer tagtäglichen Arbeit die wahre Erfüllung gefunden haben. Und selbst wenn doch, ist hin und wieder ein wenig Zerstreuung und Abwechslung vom Arbeitsalltag angesagt, um den Kopf freizubekommen. Die einen ziehen in diesen Momenten die obligatorische Tüte Chips, ein kühles Blondes und einen guten Film vor. Andere schnüren die Laufschuhe und rennen sich den Stress von der Seele. Wirken dürften beide Maßnahmen. Aber sind sie auch was fürs Herz? Wer Magazine wie die AUDI Scene liest, wird wissen, worauf diese Frage abzielt. Genau: Es geht weniger um die medizinische Betrachtung, als um eines der liebsten Hobbys der Deutschen, das (klassische) Auto.
„Da ist was Wahres dran!“, pflichtet Stefan Schreilechner bei: „Allerdings ist das nicht nur bei euch in Deutschland so. Ich komme aus dem Salzburger Land in Österreich und habe mich ebenfalls bewusst für ein ‘altes‘ Auto entschieden, da ich hier viel mehr selbst machen kann. Hinzu kommt, dass das Schrauben am Auto, egal ob mit Freunden, mit’m Papa oder auch alleine, ein genialer Ausgleich zum Alltag ist.“ Konkret dreht es sich bei Stephan natürlich nicht nur um das Thema klassische Autos im Allgemeinen, sondern um „Vintage“ aus Ingolstadt. „Audis waren schon als Kind meine Nummer Eins“, hält Stephan fest. „Das hat sich bis heute nicht geändert. Aus dem Matchbox-Format ist heute allerdings der Maßstab 1:1 geworden, vorzugsweise aus der Zeit vor 1980.“
Mit der Begeisterung für die frühe Geschichte der Audi AG steckte sich Stephan bei einem guten Freund an. „Mein Kollege von PIC Automotive, der Pichler Geri, war schuld daran. Er besitzt einen alten Audi 100. Als ich den zum ersten Mal gesehen habe, stand für mich fest, dass ich unbedingt so ein Auto haben muss.“ Wer in der Audi-Altersklasse Vierzig-plus zuhause ist, weiß gleichwohl, dass gutes Material äußerst rar gesät ist. „Davor hatte mich Geri auch gewarnt“, erinnert sich Stephan und fährt fort: „Aber ich hatte riesiges Glück. Vor zwei Jahren habe ich einen Audi 80 Baujahr 1976 mit 77er Erstzulassung entdeckt, der aus erster Hand stammte und sich in einem astreinen Zustand befand. Der Wagen stammte aus dem Nachlass einer alten Dame, die den Audi ihrem Enkel vermacht hatte. Da er mit dem Auto nicht viel anfangen konnte, stellte er es zunächst ein paar Jahre in seiner Garage ab. Nachdem er 2014 zu bauen begann, brauchte er Platz und Bares und bot den Audi zum Verkauf an.“
Kumpel Geri, den Stephan zur Besichtigung des potentiellen Objekts der Begierde mitgenommen hatte, war auf Anhieb begeistert vom tollen Fund. „Seine ersten Worte waren: ‚Stef, bitte kauf’ das Auto, der Zustand ist so gut wie perfekt. Ich finde einfach keine Mängel!’ So ist aus dem ursprünglich angestrebten Audi 100 letztlich ein 80er geworden. Worüber ich mehr als glücklich bin!“ Der erstklassige Zustand des Audi – in fast vierzig Autojahren sind lediglich die vorderen Kotflügel nachlackiert worden – konnte sogar noch getoppt werden. „Das sollte auf jeden Fall erwähnt werden“, greift Stephan die Vorlage auf: „Die Vorbesitzerin hatte ein akribisch geführtes Fahrten-, beziehungsweise Tankbuch im Auto liegen. Lückenlos geführt von 1977 bis Anfang der Zwotausenderjahre. So etwas dürfte einmalig sein.“
Würde die alte Dame, die den Audi 80 in dessen erstem Leben fuhr, ihr Schätzchen heute sehen, wäre sie zweifelsohne entzückt. Schließlich hat Stephan dem 40 Jahre alten 80er mit viel Liebe zum Detail einen tollen Style verordnet. Da wären beispielsweise die im originalen Farbton nachlackierten Kotflügel. „Das war der wichtigste Aspekt“, erinnert sich Stephan: „Im Besitz der Vorbesitzerin sind die Kotflügel zwar neu lackiert worden. Doch die Arbeit ist nicht wirklich gut ausgeführt worden. Die Lackqualität war okay, doch die neue Farbe ist nicht an die über die Jahre ausgeblichene Kolorierung der restlichen Karosserie angepasst worden. So war der frische Lack deutlich dunkler, was meinem 80er bei einem meiner Kumpels den Spitznamen des zweifarbigen Audi 80 einbrachte. Das ging gar nicht! Deshalb habe ich die Kotflügel neu lackieren lassen. Mittels Farbkarten hat der Lackierer so lange an der korrekten Lackmischung gefeilt, bis die Farbe zu 99,9% passte!“
Schritt Nummer zwei der Frischzellen-Kur für den B1 war ein dezentes Upgrade des originalen Fahrwerks. Während die Bremsanlage – Scheiben vorne und Trommeln hinten – der 75-PS-Limo original blieben, spendierte Stephan seinem Audi einen Satz Tieferlegungsfedern von K.A.W-Fahrwerkstechnik und ein Quartett herrlicher BBS-RM-012-Felgen mit Felgenstern in kräftigem Goldton und vier Pneus im Format 165/45 R 15. „Das eine oder andere Highlight ist okay. Aber nicht zu viel des Guten“, betont Stephan. „Die Lackierung, die Federn und ein paar Kleinigkeiten sollen fürs Erste genügen. Vielleicht kommt in der nächsten Winterpause ein Selfmade-Auspuff und ein angepasstes Gewinde- oder Luftfahrwerk unter den Audi. Im Großen und Ganzen bin ich mit ihm aber so zufrieden, wie er heute dasteht, und möchte ihn so original wie möglich lassen.“

Von: Fotos: Heinz-Peter Keller

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